Zugänge „Zwei“

Der Christbaum kommt aus Straßburg, aber der berühmteste der nicht soo stillen Weihnachtsmärkte dieser stillen Zeit findet nicht in Frankreich statt, sondern in der Franken östlicherem Reich.
Die Kinder wissen zu schätzen, was von hier kommt, aus dem Herzen der Spielwarenwelt, das berühmt war lange bevor es LEGO gab, geschweige denn Game Boys, geschweige denn Super Mario. Einige der Spielzeuganstrichfarben (solche Wörter gab es damals noch) wurden sogar nach hier benannt.

Ein bißchen Provinz – und dennoch, was für ein Zentrum! Mochten die Kaiser anderswo gekrönt worden sein, mochten sie anderswo öfter getagt haben, mochten Könige andere Städte zu Residenzen erwählt haben, hier und nirgendwo anders wurden die Reichsinsignien am längsten aufbewahrt, fast 370 Jahre lang, bevor sie in den napoleonischen Wirren zu den Thurn und Taxis nach Regensburg wanderten, und weiter nach Wien.
Von 1938 – 1946 kehrten sie noch einmal wieder, ein seltenes Schicksal für Pretiosen dieser Art.

Aber das war kein Wunder: die Herren des Dritten Reiches beriefen sich nur allzu gern auf das Erste, und wo lieber als in der Stadt einiger ihrer größten Triumphe?

Dafür hat die Stadt gezahlt: von der Katharinenkirche, in der der Ritter Walther von Storzing die Frage an Evchen Pogner richtet, ob sie schon Braut sei, stehen nur mehr die Außenmauern. Haus und Werkstatt von Hans Sachs, wo der Dichter den Duft des Flieders besingt, wurden vollständig vernichtet. Zerstört wur-den auch der Hauptmarkt, die wichtigsten Kirchen der Stadt, ge-weiht den Heiligen Lorenz und Sebaldus, und so vieles, vieles andere, fast alles.

Aber so entsetzlich die Verheerungen des letzten Krieges waren, in dieser Stadt wollte man zeigen, dass man auch aufbauen kann.
Heute stapfen wieder die Kunst – und Kulturbeflissenen aller Herren Länder durch die Altstadt und fragen sich, was alt, was wiederaufgebaut, was neu erstanden aus Ruinen ist?
Die einzige “erhaltene” Stadtbefestigungsanlage einer deutschen Großstadt ist zu bestaunen, besagte – wiederaufgebaute – Kirchen, das Heilig-Geist-Spital aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die Kaiserburg klarerweise, der Handwerkerhof neben dem Frauentor und große Werke von Veit Stoß, Adam Krafft und Peter Vischer, vor allem aber natürlich das ansehliche Fachwerkhaus des berühmtesten Sohnes der Stadt: er lebte hier von 1509 bis 1528, Hasen, betende Hände und apokalyptische Reiter hinterlassend, weisere Zeiten werden mehr finden. An seinen heute bekanntesten Werken zeigt sich, wie sehr der Geschmack des 19. Jahrhunderts noch wirksam ist.

Am Platz, auf dem er wohnte, und überall sonst, erhält man die Spezialitäten, die die Stadt auch berühmt gemacht haben, neben den Spielwaren: Lebkuchen in bunten Dosen, Bratwürste und Karpfen, “blau” oder gebraten.
Nur wenige Schritte sind es von dort in südlicher Richtung auf den Hauptmarkt, wo sich eine gar große Zahl von Berühmtheiten drängelt: Karl IV., die sieben Kurfürsten, Moses und die Propheten, antike, christliche und jüdische Helden. Sie weilen auf der Frauenkirche und auf dem Brunnen, der zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählt.

Nach der Stadt benannt wurde auch ein Ei, ein Ei, das die Zeit erstmals mobil machte, die erste Taschenuhr. Die erste deutsche Bahnlinie fuhr hier, Wissenschafter aus dieser Ecke der Welt brachten den Portugiesen das Wissen, mit dem die restliche Welt entdeckt werden konnte.

Heute ist die Stadt kein Zentrum mehr, es sei denn der amerikanischen Soldaten in den Biergärten, wegen der nahen Kasernen.
Aber einmal im Jahr, in der Zeit der Erwartung der Geburt des Sohnes, wenn Augen wieder glänzen bei Groß und bei Klein, ist sie ein Mittelpunkt. Dieser befindet sich auf ihrem Markt, der dann Christkindlesmarkt heißt.

• Wie heißt die Stadt?
• Wie heißt ihr berühmtester Sohn?
• Wie heißt die angesprochene Oper?
• Wie heißt der Brunnen auf dem Hauptmarkt?