Zugänge „Vier“

Vor schon recht geraumer Zeit war der Fluss, an dem die Stadt liegt, ein Nebenarm des Rheins. Die Herrscherfamilie ist zwar nicht rheinländisch, aber doch deutsch-stämmig, und erst vor wenigen Jahren veränderte sie ihren Namen, was Wilhelm II. zu der einzigen witzigen Bemerkung seines Lebens hinriss: nein, so weit ging man nicht, die Lustigen Weiber als von Sachsen-Coburg-Gotha stammend zu bezeichnen.

43 v. Chr. wurde das Land erobert, und 43 n. Chr. gründeten die Eroberer die Stadt, an einer der vier charakteristischen Krümmungen des Flusses, durch Sumpfgebiete zum Meer hin geschützt. Heute noch wird die Innenstadt an ihrem östlichen Rand, zum Meer hin, von einer mächtigen Festung begrenzt. Schaurige Geschichten werden dort den Besuchern präsentiert, bewohnt wird sie jedoch nur noch von Raben. Wären es Elstern, wer weiß, ob die funkelnden Schätze in der alten Trutzburg noch zu bestaunen wären.

Diese Innenstadt wird von nicht einmal 5.000 Menschen bewohnt, mehrheitlich Portieren. Zum Arbeiten kommen in die ”City” aber täglich über 400.000, und sie bedienen die Finanzmärkte der Welt. In der Stadt leben insgesamt über acht Millionen Einwohner, und keinem anderen Völkchen werden so viele Spleens unterstellt – die von den Betroffenen mit Sorgfalt und Liebe gehegt und gepflegt werden. Regenschirme (stets ungeöffnet), Schlangestehen, Lust an Makabrem, Sportlichkeit und ein Kastensystem wie die Inder, das sind nur einige der Attribute, mit denen sie bedacht werden.

Indien war lange Zeit die unerschöpfliche Quelle des Reichtums des Landes, dessen Hauptstadt die Stadt ist. Unzählige Restaurants wie auch ein Gutteil der Bewohner sind exotisch angehaucht, Folge des ausgerufenen Notstandes der einheimischen Küche einerseits und der glorreichen Vergangenheit andererseits. Ein wenig exotisch wirkt auch ein Obelisk vom Nil am doch kühleren hiesigen Flussufer, fast so verloren wie sein Bruder in New York.

Noch verlorener scheinen bloß die Angehörigen des königlichen Hauses, von allen guten monarchistischen Geistern verlassen, lebende Offenbarungseide eines einstweilen noch überlebt habenden aber eben vor allem gründlich überlebten Systems. Sollte der erstgeborene Spross doch noch den für ihn sehr hoch erscheinenden Thron erklimmen, zieht das Prinzip des Schrebergartens in die Architektur ein, immerhin.

Für die Besucher ist die Stadt ein Eldorado der Mode, der Theater und Musicals, der Museen und des Shopping.
Das berühmteste Kaufhaus ist gleich auch das berühmteste der Welt: 30 bis 40 Millionen Kunden werden von 2.000 Verkäufer(inne)n würdevoll bedient, und was es hier nicht gibt, das gibt es womöglich nirgendwo. Vom Umstandskleid bis zum Bestattungsinstitut mit 24-Stunden-Service, für alles ist gesorgt. Eine eigene Bank, ein Zoo, die größte Klavierabteilung der Welt, die Möglichkeit, was auch immer zu versichern oder seine Reise zu buchen, dieses Wunderland des Konsumrausches macht es möglich. Für Ronald Reagan suchte ein Anhänger der Republikanischen Partei einen Elefanten – er bekam ihn.

Ronald Reagans Schwester im Geiste hat das Land lange regiert, eisern und unerbittlich. Ihr Nachfolger konnte nur scheitern, und das tat er fast so gekonnt wie die Royals.

Von Besuchern wird heute mehr als früher der Palast gesucht, in dem ein Engel Zuflucht suchte vor den Unbillen des Schicksals. Ihr Andenken ist nicht nur dort gegenwärtig. Ihr Tod hat die Stadt und das Land und Menschen über-all auf der Welt erschüttert.

Aber die Stadt und das Land haben schon Ärgeres überlebt, die Pest, den Großen Brand, zwei Weltkriege und die Mode der Siebziger. Vielleicht bewältigen sie auch noch das neue Europa. Die Frage bleibt, ob das auch umgekehrt gelingt.

• Wie heißt die Stadt?
• Wie heißt die Königsfamilie?
• Wie heißt der Obelisk?
• Wie heißt das Kaufhaus?
• Wie heißt der verlassene Palast?