Schlagwort Archiv: Renaissance

Bilder, die sprechen

„Sie sind FREMD!“
Sie sind fünfzig Millionen, mindestens, genau weiß das niemand.

Manche suchen ein besseres Leben, manche nur irgendein Leben, manche wollen dem Tod entfliehen, Hunger, Epidemien oder Krieg.

Wie wir mit ihnen umgehen, daran werden wir einmal gemessen werden. Einfache Lösungen, nein: irgendwelche Lösungen sind nicht in Sicht. Nicht einmal die beklemmende Stille übertönende Antworten sind leicht zu finden, wenn irgendwer diesen ganzen Wahnsinn anspricht.

Nur „fremd“, fremd sind sie nicht. Sie sind welche von uns, wenn auch von woanders.

Spaziert man durch Mantua, begegnet man in den beiden großen Residenzen, dem Herzogspalast und dem Sommersitz del Tè der Gonzaga, Menschen, die vor Jahrhunderten gelebt haben. Es ist nicht wichtig zu wissen, wann genau, wie es nicht wichtig ist Correggio und Giulio Romano und Andrea Mantegna, die Este oder die Gonzaga zu kennen.
Seien wir ehrlich: über die meisten ihrer Figuren und Themen wissen wir auch schon fast nichts mehr: Ganymed, Eros, Cupido, Psyche und Zeus sind uns nicht mehr vertraut, und noch weniger denken wir bei Federico Gonzaga oder Isabella d’Este an Menschen, die einmal (sehr) gelebt haben. Wie viel weniger noch sind uns die Namenlosen nahe, die Staffage-Figuren, die Statisten, die Früchte-in-Körbe-Füller und die vielen Kinder, die ratlos auf Betrachter blicken, die durch komische Instrumente auf sie starren.

Und doch: wir ahnen, dass Giulio Romano diesen Knaben dazugestellt hat, weil sein Blick dieses Bild ganz macht. Und wir sehen, worüber die gelacht haben, zotig manchmal und vielleicht verschämt, und was sie schön gefunden haben und was beängstigend. Damals, vor so langer Zeit. Sie wußten noch nichts von der anderen Seite der Welt und wenig von dieser, sie hatten das Zweifeln nocht nicht gelernt und das Hoffen noch nicht verlernt. Aber gegessen haben sie und getrunken, geliebt und gefürchtet, sie haben Wert gelegt auf uns Vertrautes und sie waren wie wir, selbst sie: Kinder der Erde und des Himmels, der Zukunft und des Gesterns, weil es da, woher wir kommen, und dort, wohin wir gehen, keine Zeit gibt, auch kein Woanders.

Sie sind welche von uns, Brüder und Schwestern. Fremd sind sie nur, wenn wir sie verleugnen.

(Die beiden Correggios ganz am Ende sind natürlich aus dem KHM in Wien, aber sie waren einmal in Mantua, für wo sie gemalt worden waren und wohin sie eigentlich gehören. Deshalb habe ich sie hier dazugehängt).

Besser betrachtbar (und zahlreicher) sind die Bilder hier: http://goo.gl/kqwHBg

22 Okt 2014

Ein Papst tritt ab

 

You raise up your head
And you ask, „Is this where it is?“
And somebody points to you and says
„It’s his“
And you say, „What’s mine?“
And somebody else says, „Where what is?“
And you say, „Oh my God
Am I here all alone?“

Bob Dylan, Ballad of a Thin Man

Es gibt in Italien diesen Witz, in dem ein Carabiniere, Angehöriger eines Berufsstandes, dem in Italien enzyklopädisches Wissen selten unterstellt wird, in einem Laden Poster für die Kaserne erfragt. Auf die Frage des Verkäufers: „Di Giotto?“, was im Italienischen auch wie „Diciotto (18)?“ klingt, erwidert er, es könnten auch neunzehn oder zwanzig sein. So weit muss man kommen, nach siebenhundert Jahren noch für solche Scherze herhalten zu können. Er ist auch in einer Redewendung präsent, „rund wie das O von Giotto“, weil er, wie das unersetzliche Klatschmaul Vasari berichtet, dem Papst aufgeforderter weise kein Bild als Zeichen seiner Kunstfertigkeit übersendet, sondern einen freihändig gezeichneten Kreis. (mehr …)

08 Dez 2012

Understatement in Cash

Die Brücke auf den 100 €uro-Scheinen ist eines der verkanntesten Bauwerke Europas: jeder Besucher von Florenz stürmt auf den Ponte Vecchio, kaum einer hat einen Blick für die benachbarte Brücke stromabwärts: den Ponte della Trinitá, der nun zur Ehre der ökonomischen Altäre erhoben wurde, hundertfach die Hoffnung der Europäer illustrierend. Seine elegante Form ist eine Inkarnation von schlichter Schönheit: der Bogen ist dem einer Geige nahe verwandt, lässt sich jedoch in kein geometrisches Muster zwängen. Erst nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges haben umfangreiche Studien bestätigt, was bis dahin nur geahnt worden war: die Brücke geht auf einen Entwurf Michelangelos zurück. Was andernorts eine Sensation darstellte, bewirkt in Florenz kein großes Aufsehen. Schließlich weiß auch kaum jemand noch, dass Dante auf dem Ponte della Trinitá, der Vorgängerin derer des Buonarotti, seiner Beatrice und damit seinem Schicksal begegnete. So trägt unser Geldschein die Mahnung von Paradies und Inferno in sich; vielleicht ist es besser, wenn das weniger bekannt ist, ist doch die „Wissenschaft“ von der Wirtschaft ein empfindliches Pflänzchen und in erster Linie Psychologie. Dies wissend wurden die Medici was sie wurden.

Es findet sich diese Stein gewordene Harmonie dafür auf unzähligen Urlaubsfotos im Hintergrund, während sich die Goldhändlerläden und die Büste des größten aller Goldschmiede, Benvenuto Cellini, auf dem Ponte Vecchio ungeteilter Bewunderung erfreuen.

Der Ponte Vecchio ist dabei selber unter seinem Wert geschlagen: wenige seiner Besucher sehen den Gang, der über den Läden den Palazzo Pitti mit den Uffizien verbindet, selber eine, nicht ganz leicht zugängliche, Bildergalerie. Weil die damaligen Fleischerläden einem Ferdinando Medici geruchlich nicht konvenierten, ließ er die Juweliere und Goldhändler einziehen. Seine erhaltene Bebauung mit kleinen Läden entspricht dem Bild, das wir uns von allen Stadtbrücken des Mittelalters machen müssen: erst in der Neuzeit verloren fast alle ihren merkantilen Charakter.

So ziehen heute die Heerscharen der Genuss-Reisenden aus aller (Damen und) Herren Länder über den Ponte Vecchio, um von den Uffizien zum Pitti-Palast zwischen den Residenzen der Medici und zwei der herausragendsten Museen der Welt zu wandeln. Dabei ist es möglich, Florenz zu besuchen und vieles vom Größten, das je geschaffen wurde zu sehen, ohne ein Museum zu betreten: die Fassade von Santa Maria Novella ist in ihrer marmornen Pracht doch vor allem der Skizzenblock des Leon Battista Alberti, auf dem alles steht, was Architektur in der Renaissance sein sollte. Die Kuppel des Domes von Brunelleschi wurde das Vorbild derer von Sankt Peter zu Rom und aller Barockkuppeln dieser Welt, in San Lorenzo schuf er den Inbegriff eines Renaissance-Raumes, machte Donatello die Alte Sakristei zu einem Schrein, der kongenial in der neuen Sakristei von Michelangelo kontrapunktiert wird. Brunelleschi und Donatello hatten in Rom gegraben und vermessen und waren von den Römern als Schatzgräber belächelt worden: in einem anderen Sinn waren sie das, sie hoben den Schatz des Wissens der Antike um Symmetrie, Form und Maß.

In den Nischen der gotischen Wollhändler-Kirche Orsanmichele finden sich Statuen der Crème de la Crème der Bildhauerkunst: Werke von Verrocchio und Donatello neben solchen von Luca della Robbia und Lorenzo Ghiberti, Michelozzo und Giambologna an einem Ort zu finden macht schwindeln, wie der Skulpturenpark vor dem Rathaus mit Giambolognas Cosimo, Michelangelos David, Donatellos Judith und Ammanatis Brunnen, Cellini und die Antiken sind hier noch gar nicht erwähnt. Dass viele dieser Gigantenwerke im Original in Museen besser bewahrt sind, macht der Freude des Betrachters keinen Abbruch.

Die Malerei wie wir sie kennen gäbe es nicht ohne die Männer, die sich von Florenz und der Toskana aus in unerforschtes Neuland begaben: Duccio, Masaccio, Uccello, Mantegna, Piero della Francesca, Botticelli, Perugino, Lippi, Leonardo, Raphael und Michelangelo sind hier nur die bekanntesten. Wenn man sich vor Augen hält, dass die im Schlaf gesprochenen Worte des Paolo Uccelo „Ma com`é bella questa perspettiva!“ das eifersüchtige Rasen seiner Gattin auf eine vermeintliche Nebenbuhlerin namens Perspektive hervorrief, kann man ermessen, wie wenig der Blick für die Dinge damals noch vorhanden war. Er musste neu gefunden werden. Und neu gefunden, neu gesehen wurde hier alles.

Wieso hier? Lange Abhandlungen über die ökonomische Blüte der Toskana im 13. – 15. Jahrhundert, über die relative „demokratische“ Freiheit der Stadtstaaten, über lange Phasen glücklicher Ernten, die Bedeutung des Tuchhandels und die Vorausschau des Bankensystems geben eine Seite der Wirklichkeit wieder. Rationale materialistische Geschichtswissenschaft gerät jedoch an Grenzen, wenn die Frage auftritt: warum konnte hier die Schönheit siegen? Es ist über die Maßen verpönt geworden, Menschen und Menschliches in Erklärungen für historische Vorgänge einfließen zu lassen. Doch wo es um den Humanismus geht, führt am Menschen kein Weg vorbei.

Menschen, allzu menschlich, waren auch und gerade die Medici. Aber in den ersten Generationen ihrer Blüte vereinte dieses Geschlecht mehr kunstsinnige Mäzene als irgendeine andere Familie oder Regierung aller anderen Epochen. Sie machten dem ruinösen ständigen Bürgerkrieg zwischen Guelfen und Ghibellinen, Schwarzen und Weißen, Papst- und Kaisertreuen ein Ende, regierten hart und erfolgreich, auch mit List und Gewalt, aber sie ließen dem Genius Raum. Und sie hatten Geschmack. Das ist mehr als man von den meisten Regenten und Dynastien sagen kann. Noch die letzte ihres Namens, Anna Maria geborene von Sachsen, die es wahrlich nicht leicht gehabt hatte, die Orgien und öffentlichen Selbsterniedrigungen ihres Gatten, Gian Gastone, des letzten seines Stammes, zu ertragen, hinterließ Florenz das größte Erbe, das je einer Stadt zuteil wurde: die Schätze der Medici wurden zur Sammlung der Uffizien, die nie die Stadt verlassen dürfen.

Über den Ponte della Trinitá wird auch heute noch gegangen und gefahren: abgesehen vom Alltagsverkehr spazieren über sie Bildungshungrige, die in der Brancacci-Kapelle von Sta. Maria del Carmine  sehen wollen, wie Masaccio seine Mitbürger und alle Generationen nach ihm das Sehen lehrte: hier, wenn irgendwo, wurde die Renaissance-Malerei geboren. Die unauffällige Brücke des Michelangelo mit ihren Reminiszenzen an Dantes unsterbliche Liebe ist ein Weg an diesen Ort und vielleicht kein schlechtes Motiv für ein Stück Papier, das unsere Konten höher schlagen lässt.

06 Feb 2011

Hier blühen keine Zitronen

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„Wir sehen einen Baum und sagen: das ist ein Baum. Aber eines Tages werden wir uns alle geirrt haben.“ Alexis Sorbas, Nikos Katzanzakis …

In einer idealen Welt wäre die Toskana überall. Es ist schon wahr: von ihr aus wurde auch die praktische moderne Welt geschaffen, von der Notenschrift bis zum Finanzwesen, von Pachtsystemen bis zur hohen Politik. Aber vor allem entstand hier der Inbegriff dafür, was wir noch heute unter Schönheit verstehen. Die Kunst einiger Jahrzehnte, die Malerei, Architektur und Bildhauerkunst der Renaissance, haben bis heute geprägt, was wir als „guten Geschmack“ empfinden. Ausgewogenheit, maßvolle Zurückgenommenheit und edle Anmut wurden nirgendwo sonst zu alles bestimmenden Maximen.

Wer die Hohe Schule des Sehenlernens in Florenz erleben durfte, wer Halbkreis und Quadrat bei Brunelleschi und Donatello als Ikonen der Harmonie verinnerlicht und die Perspektive bei Paolo Uccello und Masaccio als Lebensinhalt erkannt hat, wer vor Santa Maria Novella oder im Bargello ruhig geworden ist, der ist bereit, das größere Kunstwerk anzunehmen: die Toskana als Landschaft.

Im – wirklich – lieblichen Arnotal bei Vinci, gesäumt von sanften Hügeln und Olivenhainen, oder im schroffen Bergland von Caprese Michelangelo, im Mugello nördlich Florenz, Sommerfrische der Medici, oder von den abstrakt-surrealen Crete bei Siena bis in die Weinlagen des Chianti: kaum eine Landschaft scheint so für den Menschen geschaffen – und oft von Menschen gestaltet zu sein. Die einzelne Zypresse auf einem Hügelrücken ist nicht nur so schon bei Piero della Francesca vorzufinden, sondern sie steht da, prägend, einsam und stolz. Nichts ist hier Zufall. Beim Blick auf Giottos Campanile neben der Domkuppel von Florenz weiß man es später wieder.

Der Schiefe Turm auf dem Platz der Wunder zu Pisa ist eine Allegorie der Diagonale, die die kubischen Bauernhäuser ebenso bestimmt wie die fast schlichten Villen und Herrenhäuser und Landkirchen. Die Vertikale des Campanile oder der Geschlechtertürme von San Gimignano ritzt den Himmel auf.

Geometrische Strenge und Klarheit – es ist ganz einfach, einfach und menschlich, und der Mensch ist das Maß aller Dinge. Hier wurde der Humanismus geboren.

In dieser elysischen Landschaft braucht es keine starken Farben. Es braucht oft gar keine: das unergründliche, so vielen großen Bildhintergründen eigene dunstige sfumato, das allen Blick entschärft, genügt. Die bräunlich-gelblichen Erdtöne, das zitternde Silber der tausend Jahre alten Olivenbäume, das schwarze Grün der Zypressen (alles Farben des toskanischen Marmors aus dem Kirchen wie die von Lucca oder Siena wurden) und hie und da die Farbe des blutigen Weins: mehr geht nicht. Mehr sollte der Mensch nicht ertragen.

Reich ist nicht, wer viel hat. Und viel sieht nicht, wer geblendet ist. Doch wie reich ist, wer hier sehen darf.

02 Feb 2011

Zugänge „Drei“

Für viele war die Ankunft in der Stadt die Erfüllung eines Traumes: für manche endete dort mit dem Traum auch das Leben. Das Grab eines deutschen Dichterfürsten Sohn trägt die eine Tragödie verbergende Inschrift ”Der Sohn dem Vater vorausgehend”, während Keats und Shelley in seiner Nachbarschaft ruhen.
Es hat sie alle hingezogen in die Stadt, die für sich ein Weltkreis ist, Fürsten, Kaiser, Dichter und Pilger. Nur die Päpste reisten nie dorthin.

Ihre Ursprünge verlieren sich im Dämmer. Der Ort musste günstig erscheinen: ein Hügelgelände mit Steilhängen und Schluchten, von sumpfigen, bachreichen Niederungen umzogen, verhieß Sicherheit und leichte Verteidigung. Der Fluss, der die Grenze zu einem Nachbarreich bildete, war nahe, so ließ der Übergang sich beherrschen, und die nahegelegene Insel erleichterte den Brückenbau.

Am Anfang der Überlieferung steht ein Brudermord, und gemordet wurde viel und mit Begeisterung in dieser Stadt. In einem halben Jahrhundert starb von sechsundzwanzig ihrer Herrscher nur einer eines natürlichen Todes.
Zur selben Zeit aber wurde in bloß fünf Jahren eine Mauer um sie gebaut, die nur mit der chinesischen verglichen werden kann. Sie steht noch, wenn sie auch ein Schattendasein fristet im Umfeld so vieler Wunder.

Im Schatten liegt hier vieles, in dem der Geschichte, in jenem altehrwürdiger Bauten, und eine ehemals große Partei hat ihren Sitz in der Straße der dunklen Geschäfte. Nur im Sommer, wenn die Nähe Afrikas bewusst wird, sucht der Besucher die Einwohner vergebens und den Schatten der Erholung in den kühlen Tempeln. Kühle spenden auch die Brunnen, deren mancher berühmt ist in allen Teilen des Erdkreises. Einer der Brunnen weist im verhüllten Haupt einer seiner Gestalten auf die unerforschlichen Quellen des Nils hin. Von dort, vom Reich am Nil, stammt das Erz für die Tore eines der Haupttempel, einst Schiffsschnäbel der stolzen Flotte Cleopatras. Die Sehnsucht nach jenem Land war groß, zu groß für den begnadetsten Herrscher der Stadt und zu groß für seinen Rivalen und angemaßten Erben.
Das Erbe blieb, und es ist unermesslich. So mancher gelahrte Besucher verzweifelte an seinem schieren Umfang.

Wer will auch von sich behaupten, ein Kenner jener Stadt zu sein? Liebhaber, das ja, Liebhaber hatte und hat die Stadt viele. Ihr Name, verkehrt gelesen, ist schließlich der Gott der Liebe selbst.

Nicht die wenigsten ihrer Verehrer sprachen deutsch, wenn sie von ihr schwärmten. Karl der Große errichtete für seine Landsleute einen Friedhof, der heute im Ausland liegt und von drolligen Älplern bewacht wird. Nur Besucher vertrauten Idioms dürfen ohne Sondererlaubnis in das Nachbarland, und nur auf diesen Friedhof.

Österreich hatte lange Zeit seine Botschaft in einem herrlichen Palast, der vorher Venedigs Vertretung beherbergt hatte – daher sein Name – und später einen Diktator.
Heute hat Österreich, wie die meisten anderen Staaten auch, zwei Botschaften dort, wenn auch in bescheideneren Quartieren.

Der Prunk bröckelt; der vorletzte Herrscher über die Stadt und das Land befand, dass sein Amtssitz ärmlich sei im Vergleich zu seiner privaten Residenz, ein nouveau riche, wie man sah. Nur die Franzosen habe noch eine Botschaft, die nichts zu erträumen übrig lässt, ist ihr Palast doch von Michelangelo entworfen. Ganz in der Nähe, und fern von seinen Kollegen, liegt der große Borgia, den die Stadt nur mit Mühe ertrug.

Viele Fremde kamen hierher, um ihr Gewicht an der Geschichte zu messen, und manchmal wurden sie zu leicht befunden.
Das Geschlecht der Stuarts erlosch in jener Stadt, ihre Familiengruft liegt dort, fern der schottischen Heimat, gleich neben dem Grab einer skandinavischen Königin, eine von zwei Frauen in einer Männerwelt ohnegleichen. Der große Mazarin liegt in einem Tempel gegenüber dem berühmtesten Brunnen, der eine nette Einnahmequelle für die Kinder des Viertels darstellt. Nicht weit davon steht ein Palast, der nach der Tochter Karls des Fünften genannt wird, die in zwei der größten Familien des Landes eingeheiratet wurde. Sein Architekt war der Gegenspieler des bedeutendsten Barockbaumeisters, der dieses erkennend daran zugrunde ging und seinem Leben ein Ende bereitete. Sein erfolgreicherer Kollege, ein Liebling der Götter fürwahr, verunstaltete den allen Göttern geweihten Tempel, dem wir das Fest Allerheiligen verdanken: sind dort doch die Gebeine unzähliger Märtyrer ungeordnet bestattet. Und doch wäre dieser Tempel allein es wert, alle Wege zu gehen. Sie führen ohnedies dorthin.

• Wie heißt die Stadt?
• Wie hieß der Sohn?
• Wie hießen die verfeindeten Brüder?
• Wie heißt die Mauer?
• Wie heißt (eigentlich: hieß) die Partei?
• Wie heißt der Brunnen?
• Welchen Tempels Türen kommen von Cleopatra?
• Wie heißt das „Nachbarland“?
• Wie heißt der Palast, in dem Österreichs Botschaft sich befand?
• Wie heißt der Amtssitz des Ministerpräsidenten?
• Wie heißt die skandinavische Königin?
• Wie heißt der Palast der Österreicherin?
• Wie heißen die beiden Architekten?
• Wie heißt der Tempel aller Götter?

21 Jan 2011

Zugänge „Zwei“

Der Christbaum kommt aus Straßburg, aber der berühmteste der nicht soo stillen Weihnachtsmärkte dieser stillen Zeit findet nicht in Frankreich statt, sondern in der Franken östlicherem Reich.
Die Kinder wissen zu schätzen, was von hier kommt, aus dem Herzen der Spielwarenwelt, das berühmt war lange bevor es LEGO gab, geschweige denn Game Boys, geschweige denn Super Mario. Einige der Spielzeuganstrichfarben (solche Wörter gab es damals noch) wurden sogar nach hier benannt.

Ein bißchen Provinz – und dennoch, was für ein Zentrum! Mochten die Kaiser anderswo gekrönt worden sein, mochten sie anderswo öfter getagt haben, mochten Könige andere Städte zu Residenzen erwählt haben, hier und nirgendwo anders wurden die Reichsinsignien am längsten aufbewahrt, fast 370 Jahre lang, bevor sie in den napoleonischen Wirren zu den Thurn und Taxis nach Regensburg wanderten, und weiter nach Wien.
Von 1938 – 1946 kehrten sie noch einmal wieder, ein seltenes Schicksal für Pretiosen dieser Art.

Aber das war kein Wunder: die Herren des Dritten Reiches beriefen sich nur allzu gern auf das Erste, und wo lieber als in der Stadt einiger ihrer größten Triumphe?

Dafür hat die Stadt gezahlt: von der Katharinenkirche, in der der Ritter Walther von Storzing die Frage an Evchen Pogner richtet, ob sie schon Braut sei, stehen nur mehr die Außenmauern. Haus und Werkstatt von Hans Sachs, wo der Dichter den Duft des Flieders besingt, wurden vollständig vernichtet. Zerstört wur-den auch der Hauptmarkt, die wichtigsten Kirchen der Stadt, ge-weiht den Heiligen Lorenz und Sebaldus, und so vieles, vieles andere, fast alles.

Aber so entsetzlich die Verheerungen des letzten Krieges waren, in dieser Stadt wollte man zeigen, dass man auch aufbauen kann.
Heute stapfen wieder die Kunst – und Kulturbeflissenen aller Herren Länder durch die Altstadt und fragen sich, was alt, was wiederaufgebaut, was neu erstanden aus Ruinen ist?
Die einzige “erhaltene” Stadtbefestigungsanlage einer deutschen Großstadt ist zu bestaunen, besagte – wiederaufgebaute – Kirchen, das Heilig-Geist-Spital aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die Kaiserburg klarerweise, der Handwerkerhof neben dem Frauentor und große Werke von Veit Stoß, Adam Krafft und Peter Vischer, vor allem aber natürlich das ansehliche Fachwerkhaus des berühmtesten Sohnes der Stadt: er lebte hier von 1509 bis 1528, Hasen, betende Hände und apokalyptische Reiter hinterlassend, weisere Zeiten werden mehr finden. An seinen heute bekanntesten Werken zeigt sich, wie sehr der Geschmack des 19. Jahrhunderts noch wirksam ist.

Am Platz, auf dem er wohnte, und überall sonst, erhält man die Spezialitäten, die die Stadt auch berühmt gemacht haben, neben den Spielwaren: Lebkuchen in bunten Dosen, Bratwürste und Karpfen, “blau” oder gebraten.
Nur wenige Schritte sind es von dort in südlicher Richtung auf den Hauptmarkt, wo sich eine gar große Zahl von Berühmtheiten drängelt: Karl IV., die sieben Kurfürsten, Moses und die Propheten, antike, christliche und jüdische Helden. Sie weilen auf der Frauenkirche und auf dem Brunnen, der zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählt.

Nach der Stadt benannt wurde auch ein Ei, ein Ei, das die Zeit erstmals mobil machte, die erste Taschenuhr. Die erste deutsche Bahnlinie fuhr hier, Wissenschafter aus dieser Ecke der Welt brachten den Portugiesen das Wissen, mit dem die restliche Welt entdeckt werden konnte.

Heute ist die Stadt kein Zentrum mehr, es sei denn der amerikanischen Soldaten in den Biergärten, wegen der nahen Kasernen.
Aber einmal im Jahr, in der Zeit der Erwartung der Geburt des Sohnes, wenn Augen wieder glänzen bei Groß und bei Klein, ist sie ein Mittelpunkt. Dieser befindet sich auf ihrem Markt, der dann Christkindlesmarkt heißt.

• Wie heißt die Stadt?
• Wie heißt ihr berühmtester Sohn?
• Wie heißt die angesprochene Oper?
• Wie heißt der Brunnen auf dem Hauptmarkt?

21 Jan 2011