Schlagwort Archiv: Flüchtlinge

Aus den Iden des Mai

In den Terminen gibt es eine erste Vorschau auf Destinationen, die ich 2017 ansteuern werde.

Neue Bilder gibt es von der Côte d’Azur (https://goo.gl/photos/SH4xLfavDGXQt89UA und https://goo.gl/photos/Nfm11eDbzraX8Aoh6), aber auch hier als Filmchen: https://goo.gl/photos/eGeCvHC7a5vzGz2y7. In meiner virtuellen Galerie gibt es auch wieder aktuelle Bilder aus Andalusien: https://goo.gl/psjJ5z.

 

 

12 Mai 2016

Bilder, die sprechen

„Sie sind FREMD!“
Sie sind fünfzig Millionen, mindestens, genau weiß das niemand.

Manche suchen ein besseres Leben, manche nur irgendein Leben, manche wollen dem Tod entfliehen, Hunger, Epidemien oder Krieg.

Wie wir mit ihnen umgehen, daran werden wir einmal gemessen werden. Einfache Lösungen, nein: irgendwelche Lösungen sind nicht in Sicht. Nicht einmal die beklemmende Stille übertönende Antworten sind leicht zu finden, wenn irgendwer diesen ganzen Wahnsinn anspricht.

Nur „fremd“, fremd sind sie nicht. Sie sind welche von uns, wenn auch von woanders.

Spaziert man durch Mantua, begegnet man in den beiden großen Residenzen, dem Herzogspalast und dem Sommersitz del Tè der Gonzaga, Menschen, die vor Jahrhunderten gelebt haben. Es ist nicht wichtig zu wissen, wann genau, wie es nicht wichtig ist Correggio und Giulio Romano und Andrea Mantegna, die Este oder die Gonzaga zu kennen.
Seien wir ehrlich: über die meisten ihrer Figuren und Themen wissen wir auch schon fast nichts mehr: Ganymed, Eros, Cupido, Psyche und Zeus sind uns nicht mehr vertraut, und noch weniger denken wir bei Federico Gonzaga oder Isabella d’Este an Menschen, die einmal (sehr) gelebt haben. Wie viel weniger noch sind uns die Namenlosen nahe, die Staffage-Figuren, die Statisten, die Früchte-in-Körbe-Füller und die vielen Kinder, die ratlos auf Betrachter blicken, die durch komische Instrumente auf sie starren.

Und doch: wir ahnen, dass Giulio Romano diesen Knaben dazugestellt hat, weil sein Blick dieses Bild ganz macht. Und wir sehen, worüber die gelacht haben, zotig manchmal und vielleicht verschämt, und was sie schön gefunden haben und was beängstigend. Damals, vor so langer Zeit. Sie wußten noch nichts von der anderen Seite der Welt und wenig von dieser, sie hatten das Zweifeln nocht nicht gelernt und das Hoffen noch nicht verlernt. Aber gegessen haben sie und getrunken, geliebt und gefürchtet, sie haben Wert gelegt auf uns Vertrautes und sie waren wie wir, selbst sie: Kinder der Erde und des Himmels, der Zukunft und des Gesterns, weil es da, woher wir kommen, und dort, wohin wir gehen, keine Zeit gibt, auch kein Woanders.

Sie sind welche von uns, Brüder und Schwestern. Fremd sind sie nur, wenn wir sie verleugnen.

(Die beiden Correggios ganz am Ende sind natürlich aus dem KHM in Wien, aber sie waren einmal in Mantua, für wo sie gemalt worden waren und wohin sie eigentlich gehören. Deshalb habe ich sie hier dazugehängt).

Besser betrachtbar (und zahlreicher) sind die Bilder hier: http://goo.gl/kqwHBg

22 Okt 2014

Ein kurzer Brief zum langen Abschied

[UNSET]Fés, 03.03.14

Letzte Woche hat mich Fés Demut gelehrt. Das ist schon die beeindruckendste Stadt des Landes, Welten von Marrakesch entfernt, das seinem touristischen Erfolg zum Opfer geworden ist. Marrakesch ist schön, faszinierend, aber schon lange nicht mehr als eine Kulisse für „Orient“-suchende Besucher. Und ich halte die alten Männer aus unserer Welt nicht aus, die mit jungen Marokkanern spazieren gehen, wie es andere mit ihren viel zu jungen Frauen in Thailand oder Odessa tun, stolz, schamlos und lächerlich. Auch wenn das schon immer so war: „1 Knabe – 3 Piaster“ stand auf der Herbergsrechnung eines Reisenden vor über hundert Jahren. (mehr …)

03 Mrz 2014