Pardon me boys, is that the Chattanooga Choo Choo?

Die Österreichischen Bundesbahnen sind ein einzigartiges Unternehmen. Es ist ihnen gelungen, den Schwerverkehr nicht von der Straße auf die Schiene zu bringen, obwohl massive Wettbewerbsvorteile gegeben wären. Es ist ihnen gelungen, in der Auseinandersetzung mit Fluglinien im Kampf um Passagiere auf allen Ebenen sang- und klanglos unterzugehen. Jedes Jahr zu allen Urlaubsbeginn-Terminen werden sie heillos überrascht und stellen fest, dass an manchen Tagen mehr Waggons benötigt worden wären als an anderen. Die Südstrecke wird immer noch mit alten Garnituren und unregelmäßig voraussetzbaren Klimaanlagen betrieben. Das Personal besteht aus als geheilt Entlassenen und in diesem Leben nicht mehr Resozialisierbaren.

Dafür gehen immer noch Verwaltungsangestellte zur Halbzeit ihrer Lebenserwartung in die erschuftete Pension, und der Häuptling des Vereins ist einer der Hot-Top-Jobs des Landes, heiß umfehdet, wild umstritten.

Zu teuer, zu unflexibel, zu dumm.

Inzwischen weiß ich jedoch, dass eine kernkompetente Abteilung von sicher kaum bezahl- geschweige denn überschätzbaren Spezialisten am Image der ÖBB arbeitet. Mit schmunzelnder Verwunderung saß ich vor kurzem ein paar Stunden in einem Zug, der den schönen Namen „EC 561 Europäischer Computer Führerschein“ trägt. Es gibt, fand ich dann heraus, auch den „IC 645 Beste Österreichische Gastlichkeit“, den „IC 640 60 Jahre Katholische Frauenbewegung“ und den „EC 662 WorldVision – Kinderpatenschaft“. Na ja, der Computer-Deckel ist echt wertlos, bei World Vision hat die Chefin Spenden für verhungernde Kinder eingesackt, Frauenbewegungen kenne ich schon zu lange nicht mehr, kann mir aber vorstellen, dass man sich in 60 Jahren katholischer Missionarsstellung langweilt, und die beste österreichische Gastlichkeit wird prägnant unter „Hamma net“ und „Kollege kommt gleich“ zusammengefasst, begleitet von rotzfrechen Preisen, oder?

Für 3600 Euro kann man schon den Namen eines Regionalzugs für ein Jahr kaufen. Ein Intercity, der durch mehrere Bundesländer fährt, kostet etwa 10 000 Euro pro Richtung.

Gestern jedoch musste ich endgültig meinen Hut ziehen vor den Marketing-Magiern der ÖBB: ein Unternehmen, das solche Namen durch die Lande trägt, muss einen Ruf wie Donnerhall bekommen – nach Graz brachte mich und viele andere fröhliche Passagiere kein anderer als der „EN 246“ – sicher bald besser bekannt als „TELEFONSEELSORGE RUF 142“.

Chapeau!