Sieben Monate mit Theo

Es gibt Menschen, die ihre eigentliche Geschichte hinter sich haben. Was immer nun noch folgt, es kommt zu spät, zählt nicht mehr, wäre nicht mehr nötig gewesen. Bei Schauspielern kann das einen Charakter ausmachen, der in der ersten Einstellung bereits alles über sich sagt. Bogart war so einer. Manche Maler verstehen es, den Portraitierten sich ganz Preis geben zu lassen. Bei Menschen, denen wir begegnen, kann das interessant und geheimnisvoll sein oder bloß schrecklich. (mehr …)

07 Dez 2012

Ultimo Viaggio – eine letzte Reise

„Alexander, das ist das letzte Mal“, hatte sie gesagt. Auf meinen fragenden Blick hin erklärte sie mir, dass sie nur noch wenige Monate hatte. Das war zu Beginn des vorjährigen Frühlings. Vorige Woche ist sie aufgebrochen, für immer.

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Männer reisen seltener allein, wenn sie älter werden. Frauen werden älter, und sie sind dann eben häufiger allein.Frau G war nicht wirklich alt geworden, nach heutigen Maßstäben. Sie war allerdings schon lange allein gewesen, „mehr als mein halbes Leben“ hatte sie einmal gesagt.Sie war in den vergangenen Jahren sieben- oder achtmal mit mir auf Reisen gewesen, das erste Mal gleich bis Neuseeland. Wir hatten einander sofort gemocht, glaube ich. Soviel ich weiß hat sie ihre Reisen dann – auch – danach ausgerichtet, wohin ich unterwegs war. (mehr …)

06 Dez 2012

A Dream Come True

“Was hat Sie eigentlich nach Casablanca geführt?“ “Die heißen Quellen.“ “Aber es gibt hier keine heißen Quellen…“ “Ich weiß. Es war ein Missverständnis.“ Humphrey Bogart als “Rick“ in Casablanca

Sie sitzen und sehen der Erde beim Sich-Drehen zu. Und träumen. Von Casablanca bis Muscat sitzen die stolzen Männer Arabiens vor oder in ihren Läden und Büros und warten und verwalten und träumen, plaudern, trinken Tee oder Kaffee, und sitzen. Und denken es wäre Arbeit. 
Ist es ein schöner Sonntag und ist etwas Geld da, kennen sie kein größeres kleines Glück als mit der Familie in eine Oase zu fahren und dort ein Picknick zu genießen. Dort sitzen sie dann, stundenlang, und trinken Tee, knabbern Kekse und träumen. Das sind die friedlichsten Kinder Gottes.

Nahi wollte nicht so leben. Nahi ist Berber, aus dem Süden Marokkos. Er war auffallend gut in der Schule, wissbegierig und aufgeweckt. Träumen, das konnte er auch. Sein Traum war es, Reiseführer zu werden. Mit Menschen aus allen Teilen der Erde zu arbeiten. Zu reisen. Nahi hatte Glück, nur vier Geschwister, eine verständnisvolle Familie und einen Onkel, der in Frankreich genug Geld verdiente, um die Familie zu unterstützen. Nach der Schule konnte Nahi neben dem Französischen bereits ein paar Brocken Deutsch, Satzfetzen, die er von Touristen erbeutet hatte. In seinem Schulbuch hatte er ein Bild aus der Schweiz gesehen, eine Alpenlandschaft mit Bergen und Seen und viel Schnee. Ziemlich genau so stellte sich Nahi, der aus der Wüste bei Agadir stammt, das Paradies vor. Und dort, in der Schweiz, so stand es in seinem Schulbuch, wird deutsch gesprochen. Nun bekam er, vor mehr als dreißig Jahren, die Chance seines Lebens, und er war entschlossen sie zu nutzen. (mehr …)

05 Dez 2012

Venice for Pleasure

[nggallery id=4]Venice for Pleasure

ist gleich der Titel nicht nur des besten Führers für Venedig, sondern des besten je geschriebenen irgendeiner Stadt. Aber der Reihe nach:

Bestes Hinkommen:

Per Zug – entspannt in der Früh aufwachen mitten in der Stadt. Fliegen kostet viel Zeit vom An- bzw. Abreisetag. Und eine halbe Tonne CO2 pro Person fällt bei diesem Flug auch an… – muss ja nicht sein.

Per Auto ist sowas wie ein nicht bestandener Intelligenztest. Man kann in Punta Sabbioni oder am Piazzale Roma parken (zum Preis eines Hotelbetts pro Nacht). Aber eigentlich kommen wir nach Venedig auch wegen der Autos. Um keine mehr zu sehen, zu hören, zu riechen. (mehr …)

04 Dez 2012

COS I’M FREE

Eine Geschichte, die Mut machen soll:

Die Olympischen Spiele 2000 waren etwas Besonderes. Weil sie 2000 stattfanden, weil sie erstmals am anderen Ende der Welt stattfanden, und weil sie von ALLEN Aussies getragen wurden. Die ganze Nation war stolz dieses Ereignis bei sich zu haben, und eine unglaubliche Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern, jung und alt, arm und reich, hat in einem nicht unbeträchtlichen Ausmaß als Freiwillige mitgearbeitet, um diese Spiele zu einem Erfolg werden zu lassen.

Ich war ein paar Jahre später im Stadion von Sydney, und davor sind Stelen aufgestellt mit den Namen aller, die daran mitgebaut und während der Spiele mitgearbeitet haben. Es müssen so ziemlich alle 20 Millionen Australier gewesen sein. (mehr …)

28 Mai 2012

A Long Happy Hour

ist jeder Besuch der seltsamen und wunderbaren britischen Insel.

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Weitere aktuelle Bilder aus Südengland:

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Siehe auch: http://www.kriegelstein.eu/rule-britannia/

 

27 Mai 2012

Das größere Puzzle

Sigurd Schädeldrunk wurde 1965 als elftes Kind seiner Eltern in Tromsö geboren, 600 km südlich des Nordkaps und 1600 km nördlich von Oslo oder 4000 km nördlich von Palermo.                                                                                Sein Vater war im Straßenbau beschäftigt, aufgrund der Schneeverhältnisse bis auf wenige Wochen des Jahres beschäftigungslos und, wie praktisch alle Arbeiter in Tromsö, dem Trunk ergeben. Die Mutter führte anscheinend ein extrem unauffälliges und aufopferndes Dasein als Hausfrau und Mitglied im Kirchenchor einer örtlichen Stabkirchen-Gesangsgruppe. Von frühester Jugend an waren Schädeldrunks Träume und Wünsche nach Süden orientiert.

Die acht jährlichen Wintermonate, sechs davon bei ständiger Dunkelheit, zerrütteten sein Nervensystem bereits, bevor er die Volksschule besuchte. Erkennbar wurden seine Schwierigkeiten, sich den Bedingungen seiner lokalen Hemisphäre anzupassen, durch vereinzelte autistische Ansätze, eine Hingabe zu Puzzles und eine Vorliebe für neapolitanische Volkslieder. Dies machte ihn bald zu einem Außenseiter in seinem unmittelbaren Lebensumfeld. Von Freundschaften in seiner Jugend ist nichts überliefert, von Geborgenheit bei seinen Eltern noch weniger. Zwei Entscheidungen sollten seinen Lebensweg entscheidend beeinflussen: der Entschluss, in Trondheim Kunstgeschichte zu studieren und die Lektüre des Buches „Die Kinder von Torremolinos“ von James Michener. (mehr …)

27 Mai 2012

Der letzte Kreis der Hölle – volkstümliche Musik revisited

Seit einem durchaus traumatischen Erlebnis, meinem ersten Musikantenstadl, hatte ich mir vorgenommen, das Kapitel „volkstümliche Musik“ einmal zu verarbeiten. Nach einem ersten Ansatz, der sich zufällig ergeben hatte, wollte ich es gestern wissen: „Das Sommerfest der Volksmusik“ stand auf dem Programm. Gewappnet mit guten Vorsätzen, stimulierenden Essenzen, Diktiergerät, Block und Stift, Popcorn und Pulsmesser ließ ich mich auf das Abenteuer ein.

Die Moderatorin heißt angeblich wirklich Carmen Nebel, tritt als grellgrüne Hüpfburg auf, deren Farbe sich mit allen im Studio reichlich arrangierten Pflanzen schlägt und wird ob ihres Darstellungsvermögens während der gesamten Sendung von einem relativ kleinen Philodendron links hinten an die Wand gespielt.

Die Kulissen gewähren diesmal einen tiefen Einblick in südliche Gefilde und die dunkle Seele des Ausstatters. Ein mutiger Sonnenuntergang vor der Silhouette des Vesuvs in Technicolor im Hintergrund, davor eine Pizzeria namens Don Vaffanculo oder so ähnlich, ein Ristorante Wurstelconkrauti und die unvermeidbare Vespa lassen Urlaubsgefühle von Ruhrpottbewohnern der Fünfzigerjahre wach werden. Dieses Italien gibt es nicht mehr und hat es nie gegeben, aber den Ruhrpott gibt es auch nicht mehr, und den hat es gegeben. Sein ist die Rache. (mehr …)

26 Mai 2012

Zwei Blondinen in Rom

Ob sie einander begegnet sind? Die eine hatte eben fast ihren Lebenstraum erreicht, die andere stand kurz vor ihrer ersten Ehe und hatte noch alles vor sich. Es war das Jahr, in dem Cäsar ermordet wurde, Cleopatra war damals fünfundzwanzig, Livia elf Jahre jünger. Die eine war die ehrgeizigste Frau der östlichen, die andere die der westlichen Welt.

Cleopatras Hoffnungen wurden mit Cäsars Tod noch nicht begraben, Livia konnte noch nicht wissen, daß sie die Frau des mächtigsten Mannes der Welt, Augustus, werden sollte, und nach seinem Tod Regentin gemeinsam mit ihrem Sohn Tiberius.
Von Cleopatra gibt es zwei Büsten, eine (angezweifelte) im British Museum in London, eine im Vatikan, Livia kennen wir besser.

Sie waren beide blond, Cleopatra, die griechischstämmige Königin Ägyptens, nicht unbedingt schön, aber von einer über alle Maßen einnehmenden Art und selten sprachgewandt, verfügte über das Erbe der Ptolemäer und der Pharaonen, den Glanz und Reichtum des Ostens, die Liebe zum Luxus und die Fähigkeit zur völligen Hingabe.
Livia, die Hocharistokratin aus dem Hause der Claudier, eine edle Schönheit, verkörperte den Stolz und den unbeugsamen Charakter der Römerin, die weiß, daß nur Götter ihrem Willen im Wege stehen können, die Liebe jedenfalls nicht. (mehr …)

24 Mai 2012

:-)

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28 Apr 2012